Zeitz - Eine moderne Industriestadt

In der Zeit der preußischen Verwaltung wandelte sich das Bild der Stadt rasant. Während man Jahrhunderte lang von Zeitz als "Ackerbürgerstadt" gesprochen hatte, entstanden ab der Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industriellen Revolution erste Fabriken u.a. für Klaviere, Maschinenbau und Zuckerproduktion. Die Förderung von Braunkohle wurde aufgenommen. 1846 begann der Zeitzer Stellmacher Ernst Albert Näther mit der Produktion von Kinderwagen und begründete damit den späteren weltweiten Namen der Stadt Zeitz als Stadt der Kinderwagen.

Im Pressenraum der Brikettfabrik Herrmannschacht Ernst Albert Naether

Mit der Einweihung der Bahnlinie Weißenfels - Zeitz - Gera im Jahre 1859 eröffneten sich dem Handel und der Produktion in Zeitz neue Möglichkeiten. 1872 wurde die Bahnstrecke nach Altenburg eröffnet, 1873 jene nach Leipzig. 1877 ging die Drahtseilbahn des Zeitzer Baumeisters Eduard Tretrop auf dem erst um 1830 angelegten Wendischen Berg in Betrieb.

1884 wurde die Eiserne Brücke eingeweiht, 1886 die neue steinerne Auebrücke, welche nach einem Entwurf von Otto Baensch erbaut wurde. Baensch, am 6. Juni 1825 in der Zeitzer Rahnestraße 16 geboren, wurde als Erbauer des Nord-Ostsee-Kanals über die Grenzen der Stadt bekannt.

Otto Baensch Rathaus mit Turm

Betrug die Einwohnerzahl der Stadt im Jahre 1816 noch ca. 6.500, stieg sie in den folgenden Jahrzehnten enorm an. 1875 ergab die Volkszählung eine Zahl von 16.480 Einwohnern, im Jahre 1900 waren es bereits 27.558. Im sich immer weiter vergrößernden Stadtgebiet entstanden neben Wohnhäusern und Fabriken auch zahlreiche Schulen, deren imposante Gebäude auch heute noch das Stadtbild prägen. Die größere Stadt bedurfte immer mehr einer größeren Verwaltung. In den Jahren 1906 bis 1909 entstand deshalb der neue Rathausteil mit dem 52 Meter hohen Turm, der zum weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt wurde. In den Folgejahren entstanden u.a. der neue Bahnhof (1913 bis 1915) und das Zeitzer Sommerbad (1928).

Die wirtschaftlich bedeutende Stadt Zeitz und das unweit gelegene, 1937 bis 1939 erbaute Hydrierwerk waren während des Zweiten Weltkriegs Ziele für Luftangriffe. Glücklicherweise blieb Zeitz von wesentlichen Zerstörungen durch Bombenschäden aber verschont. Am 13. April 1945 eroberten amerikanische Panzerverbände die Stadt. Gemäß des Potsdamer Abkommens wurde Zeitz dann aber der sowjetischen Besatzung unterstellt. 1953 wurde Zeitz Kreisstadt im neu gegründeten Bezirk Halle. Die größtenteils verstaatlichten Betriebe, die Tausenden Menschen Arbeit boten, waren bedeutend für die Chemie- und Bergbauregion um Halle / Leipzig. Der VEB Zekiwa entwickelte sich zu Europas größtem Produzenten von Kinderwagen.

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