Der Japanische Garten

Japanischer Garten

Ein Konzertflügel der traditionsreichen Zeitzer Pianofabrik R. Hupfer & Comp. prägt den Anfang der Geschichte des Japanischen Gartens in Zeitz. Im Jahr 1930 wurde für eine Schule in Tosu / Japan ein Konzertflügel gesucht und in dem Hupfer - Flügel gefunden. Während des Zweiten Weltkrieges spielten zwei Kamikazepiloten kurz vor ihrem Einsatz auf diesem Flügel Beethovens Mondscheinsonate. Wegen eines Motorschadens musste einer der beiden Piloten umkehren und überlebte damit diesen Einsatz. Anfang der 90er-Jahre sollte der inzwischen altersschwache Flügel entsorgt werden. Eine Musiklehrerin machte jedoch dessen Geschichte bekannt und versucht somit dieses geschichtsträchtige Instrument zu retten. Es gelang ihr, zahlreiche Einwohner Tosus für die Idee zur Bewahrung dieses Flügels zu gewinnen. Gemeinsam wurden Spenden gesammelt um dessen Restaurierung zu ermöglichen.

Japanischer Garten





In Tosu kam die Idee auf, den Herkunftsort des besagten Flügels kennen zu lernen und so nahm man vor einigen Jahren erfolgreich Kontakt zur Stadt Zeitz auf. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen Kulturaustausch zwischen beiden Städten. Während eines Besuchs von Vertretern der Zeitzer Stadtverwaltung im Jahr 2002 in Tosu entstand die Idee im Rahmen der 1. Landesgartenschau Sachsen-Anhalts 2004 auch einen traditionellen Japanischen Garten zu gestalten. Die Idee fand bei allen Beteiligten sofort Gefallen und so beauftragte die Stadtverwaltung Tosu japanische Garten- und Landschaftsarchitekten mit der Planung eines solchen Gartens. Im Mai 2003 war es dann soweit, es kamen vier japanische Landschafsgärtner nach Zeitz um mit der Unterstützung einiger ihrer deutschen Kollegen den 1.200 Quadratmeter großen Trockenlandschaftsgarten in nur sechs Wochen zu gestalten.


Japanischer Garten










Es wurden dabei fast alle Baustoffe aus Deutschland verwendet. Auch die genutzten Pflanzen entstammen aus deutschen Baumschulen. Den Garten hatte die japanische Garten- und Landschaftsarchitektin Frau Nakahara nach dem Vorbild des Kohmyohzenji, einen Tempelgarten, geplant. Das Unternehmen MIBRAG aus Theißen stellte die für den Japanischen Garten besonders prägenden Steine und die verkieselten Baumstubben aus tertiären Braunkohle Lagerstätten zur Verfügung. Lediglich der Bambuszaun, der den Japanischen Garten umgibt wurde in Japan gekauft.

Der Japanische Garten stellt eine idealisierte Landschaft auf kleinem Raum dar.


Japanischer Garten













Der wellenförmig geharkte Kies symbolisiert dabei das Meer, das einige Pflanzen- und Steininseln umspült. Die Inseln bilden zusammen das Schriftzeichen "Herz" worin sich das Thema und der Ursprung des Gartens widerspiegeln. Der Garten wurde mit einer japanischen Zeremonie geweiht und somit den Zeitzern geschenkt. Bevor man den Garten betritt, sollen Herz, Sinne und Gedanken zur Ruhe kommen. Dazu dient der mannshoch umzäunte Kiesgang. Zum einen werden so äußere Ablenkungen vermieden und zum anderen soll das Knirschen der Kiessteine die Reinigung der Sinne beschleunigen.

Japanischer Garten







Am Ende des Ganges zeigt sich dann der Japanische Garten in seiner schlichten Eleganz.
Es harmonieren Rhododendren neben Azaleen, Japanische Blumenhartriegel mit anderen Blütengehölzen, ohne das sie einander erdrücken. Es ergeben sich damit unterschiedliche Ein- und Ausblicke auf die japanische Gartenlandschaft. Die Landschaft muss dabei aber auf Trittsteinen überquert werden, denn es handelt sich um die Darstellung eines Meeres, und weder in Japan noch in Deutschland geht man durch das Wasser. Weiterhin würde der Japanische Garten seine Mystik und Aussage verlieren, wenn dies missachtet wird.

Den schönsten Blick erhält man jedoch von einem kleinen Pavillon, der dem besonnenen Besucher den kompletten Garten
zeigt, ihm sein Wesen offenbart und einen schattigen Platz voll Ruhe beschert.


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