Der Lustgarten

Als das Schloss Moritzburg im 17. Jahrhundert erbaut wurde, war es gerade Mode einen Lustgarten für die Schlossherren anzulegen. Natürlich entsprach man damals dem Zeitgeist und erschuf nördlich der Befestigungsanlagen für Herzog Moritz den herzoglichen ca. 150 Hektar großen Lustgarten. Dieser nahm damals weite Flächen bis hin zur Weißen Elster ein und bot damit der herzoglichen Familie ausreichend Platz um Jagdspiele und andere Vergnügungen durchzuführen.


Lustgarten














Im Jahr 1781 schenkte der Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen einen Teil des Gartens an die Fabrikantenfamilie Albrecht, deren Tochter freundschaftliche Beziehungen zum Hofe des Kurfürsten in Dresden unterhielt. Neben dem Albrechtschen Palais und der Textilmanufaktur blieben die Gärten, Lindenalleen, Gehölzflächen, Grotten und Brücken weitgehend erhalten. Mitte des 19. Jahrhunderts ging mit dem Bankrott der Firma Albrecht das Gelände in den Besitz der Familien Scheube und Brehme über. Durch die beginnende Industrialisierung wurde das Gebiet nach und nach aufgeteilt, und im Laufe des 20. Jahrhunderts mit weiteren Industrieanlagen bebaut. Zu DDR - Zeiten wurde der Privatbetrieb Scheube und Partner verstaatlicht und zur VEB Wäscheunion umfirmiert. Nach der Wende stellte man die Produktion der VEB Wäscheunion wegen mangelnder Nachfrage ein und das Gelände verwilderte damit zusehends.


Lustgarten Galerie Mondschein














Der Bereich der ehemaligen Wäscheunion und die angrenzende Industriebrache wurden für die Landesgartenschau 2004 umfangreich saniert. Dazu wurden alte Baumbestände mit neuen Pflanzen und Gehölzen kombiniert, und so erschuf man einen scheinbar völlig neuen Garten. Die Anlage der neuen Gärten knüpft an die ursprüngliche Nutzung als herzoglicher Lustgarten an und nennt sich nun neuer Lustgarten. Der Besucher erlebt hier die Themengärten, die sich mit den Tageszeiten und deren unterschiedlichen Atmosphären beschäftigen. So ist der Garten Morgentau mit weißen, kühl wirkenden Blumen gestaltet und von einem Netz aus Glasperlen teilweise überdacht. Die Glasperlen spiegeln und brechen das Licht, wodurch der Betrachter glaubt, glitzernden Morgentau zu sehen. Die Abendröte hingegen ist ein farblich warm gestalteter prächtig blühender Garten.


Lustgarten Galerie Morgentau





















Zwei weitere Felder schließen den Bereich der Neuen Lustgärten ab: Im Nebelfeld sprühen feine in den Boden eingelassene Düsen Wasser auf chinesische Blumenhartriegel und verkünden von abendlich aufziehendem Nebel. Die gegenüberliegend aufgestellten Vexierspiegel verzerren die Bilder und amüsieren Schlossparkbesucher jeden Alters. Damit wird die ursprüngliche Nutzung nochmals verdeutlicht. Folgt der Besucher dem Uferweg des Mühlgrabens, gelangt er in die Brehmschen Gärten mit dem fantasievollen Spielbereich. Das eingerichtete Ziegengehege und das Mäusehaus sind ein zusätzlicher Anziehungspunkt für die Kinder.

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