Die Michaeliskirche

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10.00 Uhr - 16.00 Uhr

Führungen auf Voranmeldung
(in der Tourist-Information oder in der Evangelischen Kirchengemeinde)

Preise:
Besichtigung der Kirche kostenfrei, Spende möglich
Besichtigung des Luther-Thesendrucks 2,00 Euro (nur auf Voranmeldung)

Kontakt:
Evangelische Kirchengemeinde*
Michaeliskirchhof 9, 06712 Zeitz
Tel.: 03441-213681

Michaeliskirche Michaeliskirche


Geschichte:

Seit der Mitte des 10. Jahrhunderts wurde die überwiegend slawische Bevölkerung im Gebiet von Saale, Unstrut und Weißer Elster missioniert. Dazu entstand 968 das Bistum Zeitz. Bereits zu dieser Zeit wurde von einer Ansiedlung mit einer steinernen Kirche auf einer Anhöhe berichtet, die auf die heutige Oberstadt mit der Michaeliskirche hinweisen könnte. Die erstmalige urkundliche Erwähnung der Pfarrkirche der Oberstadt stammt aus dem Jahre 1154. In der Urkunde wurde die Kirche mit allen Besitzungen an Land, Gebäuden und Ernteanteilen dem 1147 geweihten Nonnenkloster St. Stephan einverleibt, das sich südwestlich der ältesten Zeitzer Ansiedlung befand. Die Kirche diente der Oberstadt als Pfarrkirche. Weithin war sie am westlichen Ende des Plateaus oberhalb der Bischofsburg sichtbar. Man benannte die Kirche wohl bewusst nach dem Erzengel Michael, mit dem man Schutz vor den heidnischen Göttern verband.

Ursprünglich besaß die romanische Basilika einen kreuzförmigen Grundriss. Dem hohen Hauptschiff schlossen sich nördlich und südlich je ein schmaleres und niedrigeres Seitenschiff an. Bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden erste bauliche Veränderungen getätigt, indem die runden romanischen Fenster durch schmale spitzbogige frühgotische Fenster ersetzt wurden. Um 1450 wurde das Gebäude im spätgotischen Stil umgebaut, die Seitenschiffe wurden der Höhe des Hauptschiffes angepasst und verbreitert, wodurch sich ein fast quadratischer Grundriss ergab. Der vergrößerte Innenraum wurde oben durch 13 Kreuzgewölbe abgeschlossen und mit einem gemeinsamen Dach aus Hohlziegeln bedeckt. Zwei quadratische Türme mit lange Spitzen prägten das Bild an der Westseite des Kirchengebäudes.

Zum Schutz des Nonnenklosters St. Stephan vor Übergriffen während des Sächsischen Bruderkrieges (1446 bis 1451) ließ Bischof Peter von Schleinitz die Nonnen in das nördlich der Kirche errichtete Gebäude Michaeliskirchhof 9 übersiedeln. Für sie wurde 1517 an der Nordwestecke der Kirche ein Anbau mit Kapelle errichtet, die von den Nonnen über einen Holzgang betreten werden konnte, der aus der ersten Etage des Wohnhauses über den Michaeliskirchhof führte. Um 1520 entstand u.a. die mit einem spitzen Giebel versehene Eingangshalle; die Sakristei im Anbau an der Nordostecke wurde um ein Stockwerk erhöht, in welchem die Bibliothek untergebracht wurde.

Die Ansichten Luthers fanden auch in Zeitz ihre Anhänger. Ab 1537 predigte Johann Cramer auf evangelische Weise, 1539 wurde Eberhard Brißger erster Superintendent des von da an evangelischen Gotteshauses. 1541 ließ Kurfürst Friedrich von Sachsen das Nonnenkloster St. Stephan auflösen und dessen Vermögen einem "Gemeinen Kasten" zur Unterstützung der evangelischen Kirchen zufließen. Luthers Nachfahren schrieben ihren Teil der Zeitzer Stadtgeschichte mit. Sein Enkel Johann Ernst Luther heiratete im Jahre 1610 Martha, die Tochter des damaligen Zeitzer Bürgermeisters Jeremias Blumenstengel. Ihre acht Kinder begründeten die Zeitzer Lutherlinie. Dr. Friedrich Martin Luther war von 1726 bis 1742 Erster Bürgermeister von Zeitz.

Eine Veränderung am Äußeren der Michaeliskirche wurde 1670 vorgenommen. Nachdem im Jahre 1650 der südliche der beiden gotischen Türme abgebrannt war, ließ Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz auch den Nordturm abtragen und einen 45 Meter hohen Mittelturm mit zwei seitlichen kleineren Türmen errichten. Die barocken Hauben auf den Türmen ließ er dem Uhrturm seines Schlosses Moritzburg nachempfinden. Letzte Umbauten an der Außenseite fanden dann im Jahre 1844 statt, als man u.a. an Nord- und Südseite der Kirche jeweils drei Zwerchgiebel im gotischen Stil hinzufügte. Außerdem ersetzte man die Hohlziegel des Daches durch Schieferplatten, stabilisierte die Turmfront durch Stützpfeiler und verstärkte die Westwand mit einem Vorbau mit spitzem Giebel.

Thesennachdruck-inet


Im Jahre 1882 entdeckte man bei Renovierungsarbeiten einen originalen Plakatdruck von Luthers Thesen von 1517. Der Druck war in einem Sammelband mit Schriften Luthers zum Ablasshandel enthalten, den der Zeitzer Krämer Lucas Scholz im Jahre 1613 der Bibliothek der Michaeliskirche geschenkt hatte. Weltweit existieren heute nur noch sechs Exemplare dieses bedeutsamen Dokuments, dessen Faksimile heute im Gemeindezentrum am Michaeliskirchhof zu besichtigen ist. Kontakt: 03441/213681


* Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch, Freitag:  9.00 Uhr - 11.30 Uhr
Dienstag:  9.00 Uhr - 11.30 Uhr und 15.30 Uhr - 18.00 Uhr





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