Ernst-Ortlepp-Bibliothek

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Die Ernst- Ortlepp- Bibliothek, eine regionalwissenschaftliche Präsenzbibliothek mit ca. 36.000 Büchern, 2.500 Karten und zahlreichen Periodika, ist eine der größten Museumsbibliotheken in Sachsen-Anhalt.

Im Erdgeschoss des Südflügels von Schloss Moritzburg gelegen, umfasst die Bibliothek vor allem Literatur zur Stadt- und Regionalgeschichte sowie zur allgemeinen Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte, Geschichte der Technik und Naturwissenschaften, der Wirtschaft, des Militärwesens, der Religionen und der Pädagogik. Auf rund 600 laufenden Metern finden sich Bücher aus sechs Jahrhunderten.

Im Bestand der Museumsbibliothek befinden sich einige bibliophile Kostbarkeiten aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Zu den wertvollen Texten der Bibliothek gehören außerdem Handschriften und seltene Drucke des Dichters Ernst Ortlepp, der um 1860 mehrfach in der Landarmen- und Korrektionsanstalt im Zeitzer Schloss Moritzburg einsaß. Ernst Ortlepp (1800 bis 1864) hat einen wichtigen Platz in der engagierten Dichtung des 19. Jahrhunderts: er war - so schrieb er es in einem autobiographischen Text - der "Erste, der der politischen Poesie wieder Bahn brach." Die Bibliothek wird in ihrer Arbeit unterstützt von der Ernst- Ortlepp- Gesellschaft e.V., die dafür Sorge trägt, dass das Werk des Dichters in der literarischen Öffentlichkeit angemessen beachtet wird. Unbestritten ist, dass Ernst Ortlepp den jungen Friedrich Nietzsche stark beeinflusst hat.

Die Museumsbibliothek wird durch ein umfangreiches Zeitungsarchiv ergänzt. Es enthält unter anderem die Zeitzer Zeitungen von 1802 bis zur Gegenwart.

Als eine der wenigen regionalgeschichtlichen Spezialbibliotheken im Umkreis bildet sie eine unentbehrliche Arbeitsgrundlage für Heimatforscher, Ortschronisten, Schüler und für jeden an der Heimatgeschichte Interessierten. Die Nutzung der Bibliothek ist kostenlos. Seit 2001 trägt die Museumsbibliothek den Namen des in Droyßig geborenen Dichters Ernst Ortlepp.

 

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Zu den wertvollen Texten der Bibliothek gehören zweifelsohne Handschriften und Drucke des Dichters Ernst Ortlepp, der um 1860 mehrfach viele Monate als Insasse der Landarmen- und Korrektionsanstalt im Zeitzer Schloss Moritzburg verbringen mußte.
Ortlepp hatte einen wichtigen Platz in der engagierten Dichtung des 19. Jahrhunderts, welche die Verhältnisse im Metternich-Deutschland verändern wollte; er war - so schrieb er es in einen autobiographischen Text, den die Museumsbibliothek aufbewahrt - "Der Erste, der der politischen Poesie wieder Bahn brach". Für ihn waren die Ideen Luthers zeitgenössisch und in seinem Werk finden sich Reflexe des Denkes der Junghegelianer. Zu seinen Gesprächspartnern gehörten der alte Goethe, der junge Wagner und der junge Nietzsche. Werke der europäischen Literaturen aus einem Zeitraum, dessen Grenzen durch die Namen Boccaccio und Byron markiert werden, übertrug er ins Deutsche.
Am 10. Juni 2000 wurde die Ernst-Ortlepp-Gesellschaft gegründet die dafür wirken will, daß das Werk des Dichters im Gedächtnis bleibt. Die Gesellschaft will mithelfen, die Orte seines Wirkens in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu bringen, sie wird die Ermittlung und Auswertung von Lebenszeugnissen unterstützen und Veranstaltungen unserer Bibliothek fördern, die Ortlepps Schriften gegenwärtigen Lesern nahe bringen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten wird die Gesellschaft über neue Funde und Einsichten informieren. Angemessenes Sprechen über Ortlepp muss aber auch das Sprechen über seine Zeit und seine Umwelt einschließen. Deshalb ist die Gesellschaft allen Interessenten offen, die den Dichtern, den Philosophen und den Musikschriftstellern des 19. Jahrhunderts zugewandt sind.

Zur Arbeit der Ernst- Ortlepp- Gesellschaft können Sie sich unter http://www.ernst-ortlepp.de/ informieren.

Bücher aus unserer Bibliothek finden Sie unter museum-digital sachsen-anhalt:
http://www.museum-digital.de/san/index.php?t=sammlung&instnr=81&gesusa=490

 

 

Möchten Sie in unserem Leseraum arbeiten (werktags zwischen 8 und 11 Uhr), bitten wir um Voranmeldung unter der Rufnummer: 03441 212546.                                 

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 Übergabe von Büchern an die Ernst-Ortlepp-Bibliothek am 18.9.2012

 Am kommenden Sonnabend, dem 22. September, findet der Ernst-Ortlepp-Tag 2012 im Kavaliershaus im Schloss zu Droyßig statt. Die Veranstaltung beginnt um 13.00 Uhr mit der  Mitgliederversammlung, nach einer Kaffepause findet gegen 14.30 Uhr eine Buchpremiere mit anschließendem Gespräch statt. Manfred Neuhaus, Dortmund, stellt die Dokumentation "Ich dichtete so mancherlei, Unsterbliches ist auch dabei. Zu den Schriften von und über Ernst Ortlepp aus den Jahren 1822 - 1864 und danach." Das Buch erscheint als Nr. 6 der Schriften der Ernst-Ortlepp-Gesellschaft zu Zeitz. Die Premiere und das anschließende Gespräch werden moderiert von dem Publizisten Kai Agthe, Naumburg. Die Veranstaltung ist öffentlich, Gäste sind herzlich willkommen.

 Aus Anlass des Ernst-Ortlepp-Tages 2012 übergeben wir an die Ernst-Ortlepp-Bibliothek des Museums Schloss Moritzburg Zeitz

 1. 

Einen außerordentlich seltenen, als verschollen geglaubten Erstdruck des Gedichts "Osterlied für Europa" von Ernst Ortlepp. Das Gedicht erschien erstmals als Sonderdruck im Leipziger Verlag von Wilhelm Zirges 1831. "Auferstehen! Auferstehen! / Da wo Pflicht ist, sei auch Recht! Gleiche Waage soll bestehen für den Herrn wie für den Knecht …  Allen ein Gesetzbuch! Und dem Rechte schnellern Flug!" Verse wie diese wurden von den Zeitgenossen als "ein politisches Osterlied" begeistert aufgenommen: "wiederum ein schätzenswertes Prododuct des genialen Ortlepp". Die Zensur reagierte heftig: Ortlepp sollte zunächst  Veränderungen vornehmen, danach wurde es von der Oberbehörde ganz und gar aus dem Verkehr gezogen, der Inhalt war ihr "zu revolutionär". Bereits kurz nach Erscheinen des Liedes wurde es am 16. April 1831 beschlagnahmt. Trotz der scharfen Zensur in Preußen gelang es aber im Königreich Sachsen, einige Exemplare abzusetzen. Eines hat nun auf verschlungenen Pfaden den Weg nach Zeitz gefunden.

 

2.  

Geschenk der Apothekerin Edda Fricke aus Hillerse / Niedersachsen an die Ernst-Ortlepp-Gesellschaft

 Frau Hillersen verfolgt seit Jahren die Aktivitäten der Ortlepp-Gesellschaft und nahm auch an der kulturgeschichtliche Werkstatt der acadmia baltice / Museum Schloss Moritzburg Zeitz "Die deutschen und Ihr Luther" in Sankelmark ( teil. Sie nahm diese gelungene Veranstaltung  zum Anlass, der Ortlepp-Gesellschaft eine umfangreiche Sammlung wertvoller evangelischer Gesangsbücher zu übergeben. Zum einen, weil Ortlepp ja in Tradition des protestantischen Kirchenliedes steht (die letzten Texte Ortlepps wurden in Zeitz gedruckt!), zum anderen gehört Ortlepps "Reformationsgedicht" von 1830 zu den großen protestantischen Texten des 19. Jahrhunderts. Wie andere Autoren vor und nach ihm, verbindet auch Ortlepp mit Martin Luther den Aufbruch in eine neue Zeit: "Da schwang die Freiheit ihre Flügel …" Sein Satz "Dem freien Geiste freien Flug!" wurde zum geflügelten Wort.

Frau Fricke schrieb nach der Luther-Werkstatt in Sankelmark an R. Rittig:

"Ich freue mich, was für ein kulturelles Kraftfeld sie Aufgebaut haben, pflegen und weiterentwickeln" (12.9.12).

 

 3.

Neues Buch von Manfred Neuhaus

 Manfred Neuhaus Dortmund): Ich dichtete so mancherlei,

Unsterbliches war auch dabei. Zu den Schriften von und über Ernst Ortlepp aus den Jahren 1822 - 1864 und danach. (Schriften der Ernst-Ortlepp-Gesellschaft zu Zeitz, Nr.6) 

Als die Ernst-Ortlepp-Gesellschaft gegründet wurde, war man sich in der Mitgliedschaft darüber einig, dass die wichtigste unter den nächsten Aufgaben die Erarbeitung einer Übersicht über die erreichbaren Werke des Dichters ein musste. Dieb Ausgangssituation unterschied sich total von der, welcher gemeinhin gegenübersteht, wer sich mit einem Dichterwerk wissenschaftlich beschäftigen will. Es gab kein Archiv des produktiven Autors, keine Bibliothek. Die bibliografisch selbständigen Titel des Ortleppschen Werkes waren zwar weitgehend in den Bibliographien der deutschen Dichtung aufgenommen worden, aber auch hier fehlte manches, das durch Aktivitäten der Zensur gar nicht in die Sortimente gelangen konnte.

Schlimmer war die Situation der nicht selbständigen Titel. So manchen einzelnen Beitrag konnte man nur noch in wenigen Bibliotheken finden. Die Verluste durch Kriegszerstörungen waren beträchtlich.

Es ist den Mitgliedern der Enst-Ortlepp-Gesellschaft zu danken, dass der Dichter Ortlepp heute im großen Gespräch der deutschen Literatur deutlich zu vernehmen ist. Neben dem Nietzsche-Forscher Hermann Joseph Schmidt, der in einer stattlichen Anzahl von Arbeiten die Zeugnisse der Beziehungen des alten Dichters zum jungen Philosophen erörterte, ist vor allem Manfred Neuhaus zu danken. Er nahm die Herkules-Arbeit auf sich, die Lebensspuren Ortlepps in Bibliotheken, Verlags- und Redaktionsarchiven, aber auch in Akten der Polizei, der Gerichte usw. zu ermitteln. Soeben konnte er einen neuen Band seiner Sammlung mit Arbeiten Ernst Ortlepps und Schriften über ihn aus den Jahren 1822 bis 1907 als Bd. 6 der "Schriften der Ernst-Ortlepp-Gesellschaft zu Zeitz" vorlegen. (Ich dichtete so mancherlei, Unsterbliches war auch dabei. Münster 2012).

Das Buch kann in einem kurzen Beitrag nicht angemessen gewürdigt werden. So sei nur auf ein Detail hingewiesen, das durchaus repräsentativ ist. Es war wiederholt - u.a. in einem Text des Dichters - zu lesen, dass auch Ortlepp eine Faustdichtung geschaffen habe, aber nichts deutete darauf hin, dass außer dem Dichter auch nur einer der Autoren eine Zeile des Werkes gesehen hat. Jetzt bestehen umfangreiche Teile der Dichtung zur Verfügung, die zudem einen unverzichtbaren Beitrag zur Interpretation des in jüngerer Zeit bekannt gewordenen Gedichts "Vaterunser des neunzehnten Jahrhunderts" darstellen.

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