Zeitz - Stätte der Reformation

Der Einfluss der weltlichen Fürsten war zunehmend auch bei der Einsetzung der Bischöfe spürbar. Kurfürst Friedrich und Herzog Johann von Sachsen setzten 1517 ihren Vetter Philipp, den Herzog von Bayern und zugleich Bischof von Freising, gegen den Widerstand der Domherren als Bischof in Naumburg ein. Beflügelt vom Reformationsgedanken Luthers und unter dem Eindruck des Deutschen Bauernkrieges kam es 1524/25 auch unter der Zeitzer Bevölkerung zu Unruhen. Die Zeitzer Stiftsregierung verbot zu Ostern 1528 sämtliche Neuerungen im Sinne der Reformationsidee wie Predigten, Taufen und Vaterunser in deutscher Sprache, Wegfall des Messopfers, Reichung des Abendmahls an Nicht-Geistliche usw. 1533 bat der Rat der Stadt Zeitz Bischof Philipp um einen protestantischen Prediger, was dieser jedoch ablehnte. 1539 eröffnete der Rat der Stadt eine evangelische Schule am Michaeliskirchhof, und Johann Cramer wurde erster evangelischer Pfarrer von St. Michael. Julius von Pflug, seit 1532 Probst des Zeitzer Stiftskapitels, verließ daraufhin die Stadt Zeitz.
Michaeliskirche Nicolaus von Amsdorf

Nach dem Tod Bischof Philipps im Jahre 1541 schlug das Naumburger Domkapitel Julius von Pflug als neuen Bischof vor, doch Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen verweigerte dem Vorhaben seine Zustimmung. Stattdessen wurde gegen den Willen von Kaiser und Papst Nicolaus von Amsdorf, ein enger Freund Martin Luthers, am 20. Januar 1542 in Naumburg, zwei Tage später in Zeitz als erster Bischof der Welt nach evangelischem Ritual ins Amt eingeführt. Der Reformator selbst predigte am 22. Januar in der Franziskaner-Klosterkirche in Zeitz.

Nach der Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg musste Amsdorf 1547 sein Amt an den Katholiken Julius von Pflug abtreten. Mit dessen Tod am 3. September 1564 endete die Zeit der Bischöfe, und das Gebiet des Bistums Naumburg-Zeitz fiel unter kursächsische Verwaltung, welche eine Stiftsregierung einsetzte. 1644 eroberten im Zuge des Dreißigjährigen Krieges schwedische Truppen die Stadt und zerstörten die einstige Bischofsburg. Zeitz zählte nach Kriegsende noch etwa 1.500 von ehemals 6.000 Einwohnern.

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