Bischofspalast und Klosterkultur - Ergebnisse der diesjährigen Grabungskampagne auf dem Posaer Berg
Seit 2017 finden auf dem Posaer Berg archäologische Untersuchungen statt. Die Ausgrabungen sind als Forschungsgrabung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt etabliert Sie werden von der Stadt Zeitz großzügig unterstützt und in enger Zusammenarbeit mit dem Verein für Archäologie und historische Forschung Zeitz e.V. durchgeführt. Eine große Bedeutung hat der Einsatz ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, die die Grabung durch ihre aktive Mitarbeit unterstützen Im vierten Jahr in Folge findet zudem eine sechs wöchige Lehrgrabung in Posa statt, an der Studierende der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg und anderer Universitäten teilnehmen. In den vorangegangenen Grabungskampagnen wurde vor allem das Areal im Zentrum der Anlage untersucht auf dem sich seit 1114 das später säkularisierte Benediktinerkloster Posa erhob Gegenwärtig finden die Grabungen hauptsächlich südlich der Klausur des Klosters statt.
Die spätkarolingisch/ottonische Burganlage
Die Wallanlagen auf dem Posaer Berg, der sich in günstiger strategischer Position spornartig aus der Aue der Weißen Elster erhebt, sind seit den 1920er Jahren bekannt. Durch die Untersuchungen der vergangenen Jahre konnte Klarheit über ihre Datierung erlangt werden: Die über acht Hektar große Befestigungsanlage wurde im 9. Jahrhundert errichtet. Sie gliedert sich in eine Kernburg, die die nach drei Seiten steil abfallende Spornlage besetzt, und eine östlich anschließende Vorburg. Auch die Steilhänge des Berges wurden in das umfangreiche Befestigungssystem einbezogen.
Im Rahmen der diesjährigen Grabungskampagne gelang es erstmals in größerem Umfang, Befunde aus der Frühzeit der Anlage im Süden der Kernburg freizulegen. Ihre Untersuchung dauert gegenwärtig noch an. Bemerkenswert ist ein durch eine Ausbruchgrube zu erschließender Mauerwinkel mit einer Breite von etwa 1,70 Metern, der möglicherweise Teil eines Turms der Burg des 9./10. Jahrhunderts gewesen ist. Vermutlich war der Turm an eine Ringmauer angebunden, welche die Kernburg nach Süden begrenzte. Die Mauer wurde nach einem Brandereignis im späten 10. Jahrhundert aufgegeben und die Befestigung weiter nach Süden verlegt. Damit wurde Platz für die Errichtung von Häusern geschaffen, deren Grundrisse die Ausbruchgruben der Mauern überlagern. Bei der archäologischen Untersuchung der Hausgrundrisse und Ausbruchgruben konnten bereits große Mengen an Fundmaterial - vor allem Keramik - geborgen werden. Die weitere Auswertung der Funde wird wichtige Erkenntnisse bezüglich einer genauen Datierung der einzelnen Befunde erbringen.
Die Bischofspfalz
Die Untersuchungen der letzten Jahre brachten Gewissheit darüber, dass in der seit dem 9. Jahrhundert bestehenden Burganlage im 10. Jahrhundert der Sitz des Bistums Zeitz eingerichtet wurde. Das Bistum war im Rahmen der Gründung des Erzbistums Magdeburg durch Kaiser Otto I. im Jahr 968 begründet worden und machte den Ort Zeitz vom späten 10. bis zum frühen 11. Jahrhundert zu einem bedeutenden Machtzentrum innerhalb des Reiches. Neben der Kathedrale ist der Palast des Bischofs der wichtigste Bau im Areal der Zeitzer Bischofspfalz. Der Palast konnte in großen Teilen in den letzten Jahren archäologisch erforscht werden. Es handelte sich um einen mächtigen, sicher mehrstöckigen Baukörper von etwa 18 Metern Breite. Er wurde bisher auf einer Länge von etwa 30 Metern ausgegraben, ohne dass bisher Aussagen zur gesamten Ausdehnung des repräsentativen Bauwerks möglich sind.
In der diesjährigen Grabungskampagne konnte eine Unterteilung des Untergeschosses durch eine Nord-Süd verlaufende Mauer nachgewiesen werden. In einem der abgeteilten Räume hat sich ein Estrichfußboden erhalten, der über einer sorgfältig verlegten Lage von Kieselsteinen aufgebracht worden war. Neben der hervorragenden Mauertechnik zeigt auch dieses Detail, dass bei der Errichtung des Bauwerks ein großer Aufwand betrieben wurde. In der Südwand des Palastes zeigte sich eine breite Öffnung, die wohl durch eine Überdachung auf der Außenseite besonders geschützt wurde. Der Posaer Bischofspalast weist Parallelen zu vergleichbaren Bauten in Paderborn und Goslar sowie in Merseburg auf. Gerade dieser Bau, für den für die Zeit keineswegs selbstverständliche Glasfenster belegt sind, illustriert eindrucksvoll die großen Ambitionen, die der Kaiser mit der Bistumsgründung in Zeitz verfolgte.
Das Benediktinerkloster
Nach der Verlegung des Bistumssitzes von Zeitz nach Naumburg 1028 wurde die Bischofspfalz auf dem Posaer Berg zunächst weiter genutzt. Parallel dazu wurde im Gelände des heutigen Schlosses Moritzburg in Zeitz eine Stiftskirche errichtet. Im Jahr 1114 gründete der Naumburger Bischof Dietrich I. in Posa ein Kloster, welches er mit Benediktinermönchen aus Hirsau, einem Ort im nördlichen Schwarzwald, besetzte.
Große Teile des zentralen Klosterbereiches konnten in den vergangenen Jahren archäologisch untersucht werden. Damit ist Posa eines der archäologisch am besten erforschten Klöster Mitteldeutschlands. Die Ausweitung der Untersuchungen nach Süden erbrachte in der diesjährigen Kampagne überraschende Erkenntnisse. Das Kloster besaß hier einen zweiten Hof, der fast auf allen Seiten mit weiteren Gebäuden begrenzt war. Aufgrund der Topografie war bisher davon ausgegangen worden, dass die südliche Begrenzung des im 16. Jahrhundert gepflasterten Hofes die Grenze des Klosterareals markiert. Stattdessen wurde nun klar, dass das Kloster sich viel weiter nach Süden ausdehnte.
Ausgegraben wurde hier ein kleines Gebäude aus romanischer Zeit, dessen Funktion noch unbekannt ist. Dieses und ein weiteres Bauwerk auf der Südseite des zweiten Klosterhofes dienten keineswegs untergeordneten Zwecken, sondern waren hochwertig ausgestattet, wie die Reste zweier Warmluftheizungen des 14. Jahrhunderts und ein hochwertiger roter Estrichboden belegen. Von besonderem Interesse sind Hinweise auf die Infrastruktur des Klosters. Bisher konnten hier zahlreiche Holzwasserleitungen dokumentiert werden, die umfangreiche Einblicke in die ausgeklügelte Wasserversorgung der Anlage vom 12. Jahrhundert bis zur Auflösung des Klosters ermöglichen. Die erste Wasserleitung, mit der Wasser aus über vier Kilometern Entfernung herangeschafft wurde, ist schriftlich für das Jahr 1168 bezeugt.
Im Bereich des südlichen Klosterhofes konnte nun eine spektakuläre Entdeckung gemacht werden: Das Wasser wurde hier mit einer tönernen Leitung transportiert. Die Leitung, die auf etwa fünf Metern Länge untersucht werden konnte, datiert in das 14. Jahrhundert. Sie besteht aus Röhren mit etwa zwölf Zentimetern Durchmesser und 70 Zentimetern Länge. Diese Röhren wurden wie die zeitgleiche Töpferware auf der Drehscheibe gefertigt und gebrannt. Mit genormten End- und Mundstücken war ein Ineinanderstecken der Rohre möglich, wobei die Übergänge zusätzlich mit Ton abgedichtet wurden. Derartig frühe tönerne Wasserleitungen gehören zu den absoluten Ausnahmen und sind bisher lediglich in einigen süddeutschen Klöstern oder Burganlagen aufgefunden worden.
Der Nachweis einer tönernen Wasserleitung belegt den hohen Entwicklungsstand und die gute wirtschaftliche Situation des Posaer Klosters noch im späten Mittelalter. Ging man bisher noch von einem langsamen Niedergang der klösterlichen Kultur in dieser Zeit aus, sprechen gerade die materiellen Zeugnisse, wie die ausgegrabenen Warmluftheizungen und die Wasserleitung, eine andere Sprache. Mit den bisherigen archäologischen Untersuchungen in Posa liegt schon heute eine der landesweit am umfassendsten dokumentierten Anlagen dieser Art vor. Die archäologischen Untersuchungen werden in diesem Jahr auch nach dem Ende der Lehrgrabungskampagne Mitte Oktober weiter fortgesetzt. Im Mittelpunkt steht dann die Erforschung der frühmittelalterlichen Strukturen am Südrand der spätkarolingisch-ottonischen Kernburg.
Quelle: Stadt Zeitz