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Wie Kunststudentin Priska Engelhardt aussortierten keramischen Baustoffen neues Leben einhaucht

Pressemitteilung der Stadt Zeitz vom 25.08.2026

Im Rahmen des Projekts Reallabor ZEKIWA Zeitz hat die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in diesem Jahr zwei Nachhaltigkeitsstipendien vergeben. Die Stipendien ermöglichen Studierenden und Absolventinnen bzw. Absolventen der BURG, drei Monate in Zeitz zu leben, zu arbeiten und ihre Projektideen gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung umzusetzen.

Themenschwerpunkt der Ausschreibung war „Materielle und immaterielle Reststoffe“. Aus 24 Bewerbungen wählte die Jury Priska Engelhardt (Keramik) aus, die nun seit Anfang August ihre Vorhaben in Zeitz realisiert und alle Bürgerinnen, Bürger, Unternehmen sowie Handwerksbetriebe ausdrücklich zur Mitwirkung einlädt. Die Kunststudentin erhielt das Stipendium für ihr Projekt „OUT OF SPEC“ (außerhalb der Spezifikation). Im Fokus steht die Wiederverwertung aussortierter keramischer Baustoffe. Priska Engelhardt setzt sich kritisch mit normierten Qualitätsvorstellungen in der industriellen Fertigung auseinander – konkret mit Fliesen, die wegen kleinster Makel aussortiert werden, obwohl sie vollständig funktionsfähig sind.

Wir wollten von Priska Engelhardt mehr zu ihrem Vorhaben wissen und haben uns deshalb mit ihr auf dem Zekiwa Gelände zum Gespräch getroffen.

Was reizt dich an der Aufgabe in Zeitz?

Zeit ist etwas, das immer zu knapp oder mit Dingen gefüllt ist, die ein konzentriertes Arbeiten an einem Projekt erschweren. In Zeitz habe ich die Möglichkeit, mich für drei Monate auf ein Thema, konkret Mosaike, zu fokussieren. Mich reizt die Geschichte der Stadt und wie sie Einzug in mein künstlerisches Arbeiten finden kann. Die Arbeit mit Stadtbezug ist für mich neu. Und auch die Arbeit MIT und an einem Denkmal ist für mich spannend.

Warum hast du dich für das Stipendium beworben?

Da ich mich im Zuge meines Diplomprojekts schon mit Nachhaltigkeit und Reststoffen beschäftigt habe, war das Stipendium wie auf mich zugeschnitten. Zeit zu haben und dafür bezahlt zu werden, ist nichts, was ich bisher erlebt habe.

Wie hast du dich zum RZZ-Projekt und über Zeitz informiert und was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass du genau hier mitwirken wollt?

Über die Ausschreibung der BURG und über die Website. Ausschlaggebend war das Thema „materielle und immaterielle Reststoffe“. Mit aussortierten Fliesen zu arbeiten und den Sondermüll als vollwertiges Material zu nutzen, hat schon meine Diplomarbeit geprägt. Mich hat interessiert, wie dieser Ansatz sich auf andere Orte, in diesem Fall konkret auf Zeitz, übertragen lässt und wie sich Geschichten (die das Material erzählt) mit dem Ort ändern.

Da ich im Westen bei Frankfurt geboren bin, habe ich keine ZEKIWA-Kinderwagenvergangenheit, aber eine andere (altansässige) Firma und deren Auswirkungen kenne ich seit meiner Geburt: Die ersten Jahre meines Lebens habe ich neben der Südzuckerfabrik in Groß-Gerau gelebt. Der Geruch klebt also quasi in meiner DNA. Diese Fabrik wurde 2009 dem Erdboden gleichgemacht, genau wie Anfang der 1990er Jahre Teile der ZEKIWA.

Was hat dich am Thema Nachhaltigkeit interessiert und wie spiegelt sich das in deinem Vorhaben wider? Was waren deine Assoziationen zum Ausschreibungsthema: „Materielle und immaterielle Reststoffe“ und zu Zeitz?

Hochgebrannte Keramik ist ein Reststoff. Durch den Brennvorgang scheidet der Ton aus dem Recyclingkreislauf aus. Bislang gibt es nur vereinzelt Versuche, das Material in den Kreislauf zurückzuführen. Damit sickert der enorme Energieaufwand der Herstellung im wahrsten Sinne des Wortes ins Leere. Da Ton kein endlos verfügbarer Material ist, versuche ich mit dem zu arbeiten, was da ist. Für Zeitz heißt das: Das Sammeln von Fliesenresten auf dem Gelände und die Nutzung von nicht mehr gebrauchten Fliesen ansässiger Firmen.

Was ist für dich das Idealziel nach den 3 Monaten in Zeitz?

Mein Ziel ist es ein Mosaik im Treppenhausabschnitt des ehemaligen ZEKIWA-Verwaltungsgebäudes zu realisieren, mit dem sich die Zeitzerinnen und Zeitzer identifizieren können – nicht zuletzt durch die verwendeten Materialien, die aus unterschiedlichen Zeiten und Orten stammen. Durch ein offenes Mosaikatelier und Workshops möchte ich die Anwohnenden mit ins Boot zu holen und freue mich darauf, einen künstlerischen Beitrag für das ehemalige Verwaltungsgebäude zu leisten. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass die Arbeit zu einem Umdenken im Umgang mit Materialien anregt, die auf den ersten Blick abgeschrieben wurden.

Was steht bei dir nun als Nächstes an?

Inzwischen haben wir einen Abschnitt im Treppenhaus festgelegt, für den ich das Mosaik realisieren werde. Nun beginnen die Vorbereitungen: Ich entwickle den künstlerischen Entwurf und lege ihn mit den gesammelten Fliesen im „Raum der Möglichkeiten“ aus. Gegen Ende des Stipendiums werde ich das Mosaik dann im Treppenhaus anbringen. Dazwischen gibt es die Möglichkeit, mir beim Arbeiten über die Schulter zu gucken, in den gemeinsamen Austausch zu kommen und auch selbst aktiv zu werden – alles rund um das Mosaik.

Gibt es Termine bei denen Interessierte und neugierig gewordene Dich unterstützen und mitmachen können?

Wer Lust hat, meinen Arbeitsprozess kennen zu lernen und sich gemeinsam auszutauschen, kann am 10. und 24. September und 1. Oktober jeweils von 13 bis 17 Uhr in den Raum der Möglichkeiten aufs ZEKIWA-Areal kommen. Ich freue mich auf zahlreiche Begegnungen mit Zeitzerinnen und Zeitzern und auch auf ihre Geschichten.

Am 24. September und am 1. Oktober plane ich von 17 bis 19 Uhr einmal eine Legewerkstatt und einmal den Workshop „Mosaik nach Zahlen“. Zudem steht eine Zusammenarbeit mit den Bauhausagentinnen an und ich werde mich in das RZZ-Programm am Tag des offenen Denkmals auf dem ZEKIWA-Areal einbringen. Hier haben wir noch einen Wunsch: Sollten Zeitzerinnen und Zeitzer bei sich zu Hause Restfliesen haben, die nicht mehr benötigt werden, würden wir diese gern abnehmen. Von 10 bis 15 Uhr nehmen wir die Fliesen an diesem Tag im Raum der Möglichkeiten auf dem ZEKIWA-Areal entgegen. Vielleicht werden sie dann Teil des Mosaiks. Bereits eine einzelne Fliesen ist ein Geschenk für uns.

Autor: Lars Werner, Pressesprecher, 25.08.2026 
Quelle: Stadt Zeitz