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50 Jahre danach - Gedenken und Erinnerung an die Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz

Pressemitteilung der Stadt Zeitz vom 18.08.2026

Um 11.55 Uhr läuteten die Glocken der Zeitzer Michaeliskirche und eröffneten die Veranstaltung zum Gedenken an den evangelischen Pfarrer Oskar Brüsewitz, der   am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz zwei Plakate auf das Dach seines Autos stellte, auf denen er mit den Sprüchen „Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Wir klagen den Kommunismus an wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“ sowie „Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“ das damalige DDR-Regime anklagte.

Anschließend übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an. Die Aktion dauerte nur kurz, denn schnell wurden die Plakate von Mitarbeitern der Staatssicherheit weggerissen und der schwer verletzte Brüsewitz abtransportiert. Am 22. August 1976 erlag er den Verbrennungen im Bezirkskrankenhaus Halle-Dölau, ohne dass ihn seine Familie besuchen durfte. Die DDR stellte die Selbstverbrennung als Tat eines krankhaft veranlagten Menschen hin. Brüsewitz selbst teilte in einem Abschiedsbrief mit, dass dies kein Selbstmord, sondern eine politische Aktion gewesen sei.

In der Bundesrepublik wurde am ersten Todestag im Jahre 1977 von der Paneuropa-Union ein Brüsewitz-Zentrum in Bad Oeynhausen zur Dokumentation von Repressionen und Unterstützung der Opposition in der DDR gegründet. 1991, zum 15. Todestag, wurde vom Brüsewitz-Zentrum vor der Michaeliskirche eine Gedenkstelle errichtet, an welcher seitdem das jährliche Gedenken an Oskar Brüsewitz stattfindet.

In diesem Jahr jährt sich die Aktion des Pfarrers zum 50. Mal und neben Oberbürgermeister Christian Thieme, Bürgermeisterin Kathrin Weber, den beiden Töchtern von Oskar Brüsewitz Dorothea und Esther, dem Landesbischof Friedrich Kramer, dem Regionalbischof Dr. Johann Schneider, Pastorin Claudia Romisch sowie weiteren Vertretern der evangelischen Kirche und der Stadt Zeitz kamen rund 250 Menschen vor der Michaeliskirche zusammen, um Oskar Brüsewitz zu gedenken.

Einmal mehr wurde dabei deutlich, dass sein öffentlicher Protest ein verzweifeltes und zugleich eindringliches Zeichen gegen die Einschränkung von Freiheit, Glauben und Menschenrechten war und auch fünf Jahrzehnte später nicht an Bedeutung verloren hat.

50 Jahre danach bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der mit seinem Handeln ein Zeichen setzte, das weit über Zeitz hinaus Wirkung entfaltete, lebendig. Die Gedenkveranstaltung war damit nicht nur ein Blick zurück auf ein schmerzhaftes Kapitel der Geschichte, sondern zugleich eine Mahnung, Freiheit, Demokratie und die Würde des Menschen immer wieder zu bewahren.

Im anschließenden Requiem in der Michaeliskirche wurde in besonderer Weise der Mensch Oskar Brüsewitz in den Mittelpunkt gestellt. Das gemeinsame Erinnern bot Raum für Nachdenklichkeit und stille Trauer, aber auch für die Frage, welche Bedeutung sein Vermächtnis für die Gegenwart hat.

Anlässlich des 50. Jahrestages seines Protests und seines Todes widmet das Museum Schloss Moritzburg Zeitz dem evangelischen Pfarrer eine Sonderausstellung, welche mehr zur Geschichte, zum Leben und Wirken von Oskar Brüsewitz zeigt. Die Ausstellung nimmt das Ereignis als Ausgangspunkt, um die Situation von Kirche und Gesellschaft in der DDR zu beleuchten. Historische Dokumente, Fotografien und Zeitzeugenberichte zeigen dabei unterschiedliche Perspektiven und ordnen das Ereignis historisch ein. Noch bis zum 20. September ist die Sonderausstellung im Museum Schloss Moritzburg Zeitz zu sehen.

Autor: Lars Werner, Pressesprecher, 18.08.2026 
Quelle: Stadt Zeitz