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Erinnern und Gedenken - Veranstaltungsreihe zum 50. Jahrestag der Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz

Pressemitteilung der Stadt Zeitz vom 21.07.2026

Am 18. August 1976 zündete sich der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz vor der Michaeliskirche in Zeitz an. Mit Transparent und Funksprüchen hatte er zuvor gegen die Bildungs- und Kirchenpolitik sowie das damalige SED Regime in der DDR protestiert. Die Aktion dauerte nur kurz, denn schnell wurden die Plakate von Mitarbeitern der Staatssicherheit weggerissen und der schwer verletzte Brüsewitz anschließend abtransportiert.

Am 22. August 1976 erlag er den Verbrennungen im Bezirkskrankenhaus Halle-Dölau, ohne dass ihn seine Familie besuchen durfte. Die DDR stellte die Selbstverbrennung als Tat eines krankhaft veranlagten Menschen hin. Brüsewitz selbst teilte in einem Abschiedsbrief mit, dass dies kein Selbstmord, sondern eine politische Aktion gewesen sei.

In der Bundesrepublik wurde am ersten Todestag im Jahre 1977 von der Paneuropa-Union ein Brüsewitz-Zentrum in Bad Oeynhausen zur Dokumentation von Repressionen und Unterstützung der Opposition in der DDR gegründet. 1991, zum 15. Todestag, wurde vom Brüsewitz-Zentrum eine Ausstellung im Schloss Moritzburg eröffnet und vor der Michaeliskirche eine Gedenkstelle errichtet, an welcher seitdem das jährliche Gedenken an Oskar Brüsewitz stattfindet.

In diesem Jahr jährt sich die Aktion des Pfarrers zum 50. Mal und deshalb finden neben der jährlichen Gedenkfeier weitere Veranstaltungen statt, bei denen das Leben und Wirken von Oskar Brüsewitz gewürdigt wird. 

Sonntag, 09. August 14.00 Uhr – Museum Schloss Moritzburg Zeitz
„1976 – Und heute? Zivilcourage und Gewissen im Spiegel der Geschichte“ - Themenführung im Rahmen der Ausstellung „Oskar Brüsewitz – Zeichen gegen das Vergessen“

Diese besondere Themenführung verbindet historische Ereignisse des Jahres 1976 in Zeitz mit aktuellen Fragen von Zivilcourage, Verantwortung und Gewissensfreiheit. Ausgehend von der Selbstverbrennung Pfarrer Oskar Brüsewitz’ und der Ausweisung aus der DDR von Wolf Biermann aus der DDR wird nach den Bedingungen von Mut, Protest und moralischer Entscheidung in autoritären Systemen gefragt – und danach, welche Bedeutung diese Fragen für die Gegenwart haben. Die Führung lädt ausdrücklich zur reflektierten Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart ein. Preis: 11,00 € / 6,00 € ermäßigt. Eine Anmeldung per Telefon ist erforderlich 03441 / 21 25 46

Dienstag, 18. August 11.55 Uhr – Michaeliskirche Zeitz
Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung vor der Michaeliskirche und Evangelisches Requiem in der Michaeliskirche

Den Auftakt der Gedenkwoche bildet eine öffentliche Gedenkveranstaltung am Ort und zur Uhrzeit der Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 um 11.55 Uhr. Vor der Michaeliskirche in Zeitz stellte Brüsewitz zwei Protestplakate auf das Dach seines Autos, auf denen er den Kommunismus sowie die Kirchen- und Bildungspolitik der SED anprangerte. Anschließend übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an. Am 22. August 1976 erlag er seinen schweren Verbrennungen. Bereits zuvor hatte Oskar Brüsewitz mit seiner unkonventionellen kirchlichen Jugendarbeit und öffentlichkeitswirksamen Protestaktionen Aufmerksamkeit erregt und damit wiederholt staatliche Repressionen auf sich gezogen. Seine Selbstverbrennung war eines von mehreren Ereignissen des Jahres 1976, das die Unterdrückung von Meinungs- und Religionsfreiheit in der DDR international in den Blick rückte. Bei der Gedenkveranstaltung spricht u.a. Landesbischof Friedrich Kramer. Im Anschluss findet in der Michaeliskirche ein evangelisches Requiem statt. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Dienstag, 18. August 16.00 Uhr – Brühl Cinema Zeitz
„Der Störenfried“. Filmvorführung mit Regisseur Thomas Frickel

An die Gedenkveranstaltung schließt sich um 16 Uhr die Vorführung des Dokumentarfilms „Der Störenfried“ an. Der Film erzählt die Geschichte des evangelischen Pfarrers Oskar Brüsewitz, der sich 1976 aus Protest gegen die Unterdrückung der Glaubens- und Meinungsfreiheit in der DDR öffentlich verbrannte. Anhand privater Fotos, Briefe und Interviews zeichnet der Film ein eindrückliches Porträt Brüsewitz', seiner Familie und weiteren Umfelds. Der Film lässt Bewohner von Zeitz und Rippicha zu Wort kommen und zeigt auch die Meinungsverschiedenheiten zur Selbstverbrennung Brüsewitz' – ein Meinungsstreit, der bis heute andauert. Die Selbstverbrennung Brüsewitz' ist nach wie vor ein umstrittenes Thema.

Im Anschluss an die Filmvorführung folgt ein Gespräch mit dem Regisseur Thomas Frickel, Helmut Pöschel, Frickels damaliger Kontakt vor Ort, sowie OKR i. R. Christian Fuhrmann, der sich wissenschaftlich mit dem Fall Brüsewitz beschäftigt. Der Eintritt ist frei. Eine Veranstaltung des Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen-Anhalt.

Donnerstag, 20. August 18.00 Uhr – Nicolaikirche Zeitz
Protest! Wie weit gehen für die eigenen Ideale? Der Fall Brüsewitz heute.

Warum verbrannte sich Oskar Brüsewitz? Wie weit darf man für die eigenen Überzeugungen gehen? Was geht der Fall Brüsewitz junge Menschen heutzutage an? Diese Fragen diskutiert Aron Boks, aktueller Stadtschreiber Halles, mit dem Historiker Dr. Karsten Krampitz und der Pfarrerin i. R. Ursula Meckel, die Brüsewitz persönlich kannte. Außerdem haben sich Schüler des CJD-Gymnasiums Droyßig dem Thema künstlerisch genähert und bringen ein Theater- und Kompositionsprojekt zur Aufführung. Musikalische Beiträge von Schülern der Musikschule Zeitz rahmen die Veranstaltung ab. Der Eintritt ist frei. Eine Veranstaltung des Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie entstand unter enger Zusammenarbeit mit dem Stadtlabor Zeitz und der Volkshochschule im Burgenlandkreis.

Sonntag, 23. August 13.00 Uhr – Evangelische Kirche Rippicha
Gedenkgottesdienst

In der Kirche Rippicha, Oskar Brüsewitz' einstiger Wirkungsstätte, findet am Sonntag nach seinem Todestag ein Gedenkgottesdienst statt. Die Predigt hält Pfarrer Dr. David Wagner. Der Gottesdienst wird musikalisch begleitet vom Chor Aga-Rippicha.

Bis 20. September im Museum Schloss Moritzburg Zeitz
Sonderausstellung – Oskar Brüsewitz „Zeichen gegen das Vergessen“

Die Ausstellung beleuchtet Leben, Wirken und Vermächtnis des Pfarrers aus Rippicha und fragt zugleich nach der Situation von Kirche und Glauben im sozialistischen Staat. Zeitzeugenberichte, Dokumente und Objekte eröffnen neue Perspektiven auf ein Ereignis, das weit über Zeitz hinaus Aufmerksamkeit erregte.

Autor: Lars Werner, Pressesprecher, 21.07.2026 
Quelle: Stadt Zeitz