Sonderausstellung »Oskar Brüsewitz - Gegen das Vergessen« im Museum Schloss Moritzburg eröffnet
Pressemitteilung der Stadt Zeitz vom 25.04.2026
Im Jahr 1970 wurde der 1929 geborene Oskar Brüsewitz Pfarrer in Rippicha. Seine Jugendarbeit und symbolischen Protestaktionen gegen das DDR-Regime, die schon früher Konflikte mit Staat und Gemeindekirchenräten verursachten, setzte er hier fort, was sowohl positive Resonanz als auch rigide staatliche Repressionen mit sich brachte und dazu führte, dass ihn einige Glaubensbrüder, wegen seiner unkonventionellen Methoden, ablehnten. 1976 legte die Kirchenleitung Brüsewitz nahe, einem Pfarrstellenwechsel zuzustimmen oder in den Westen überzusiedeln.
Am 18. August 1976 stellte Oskar Brüsewitz vor der Michaeliskirche in Zeitz zwei Plakate auf das Dach seines Autos, auf denen er mit den Sprüchen „Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Wir klagen den Kommunismus an wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“ sowie „Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“, das damalige DDR-Regime anklagte. Anschließend übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an. Die Aktion dauerte nur kurz, denn schnell wurden die Plakate von Mitarbeitern der Staatssicherheit weggerissen und der schwer verletzte Brüsewitz abtransportiert. Am 22. August 1976 erlag er den Verbrennungen im Bezirkskrankenhaus Halle-Dölau, ohne dass ihn seine Familie besuchen durfte. Die DDR stellte die Selbstverbrennung als Tat eines krankhaft veranlagten Menschen hin. Brüsewitz selbst teilte in einem Abschiedsbrief mit, dass dies kein Selbstmord, sondern eine politische Aktion gewesen sei.
In der Bundesrepublik wurde am ersten Todestag von der Paneuropa-Union ein Brüsewitz-Zentrum in Bad Oeynhausen zur Dokumentation von Repressionen und Unterstützung der Opposition in der DDR gegründet. 1991, zum 15. Todestag, wurde vom Brüsewitz-Zentrum eine Ausstellung im Schloss Moritzburg eröffnet und vor der Michaeliskirche eine Gedenkstelle errichtet, an welcher seitdem das jährliche Gedenken an Oskar Brüsewitz stattfindet.
Anlässlich des 50. Jahrestages seines Protests vor der Michaeliskirche in Zeitz und seines Todes, widmet das Museum Schloss Moritzburg dem evangelischen Pfarrer eine Sonderausstellung, welche am Samstag, den 25. April eröffnet wurde und mehr zur Geschichte, zum Leben und Wirken von Oskar Brüsewitz zeigt. Die Ausstellung nimmt das Ereignis als Ausgangspunkt, um die Situation von Kirche und Gesellschaft in der DDR zu beleuchten. Historische Dokumente, Fotografien und Zeitzeugenberichte zeigen dabei unterschiedliche Perspektiven und ordnen das Ereignis historisch ein.
Bei der Eröffnungsveranstaltung im Festsaal von Schloss Moritzburg betonte Oberbürgermeister Christian Thieme:
Die Ausstellung will nicht bewerten. Sie will nicht vorschnell urteilen oder einfache Antworten geben. Vielmehr versteht sie sich als Einladung, hinzuschauen, nachzudenken und sich mit den unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen.
Die Erinnerung an das Ereignis von Zeitz wirft grundlegende Fragen auf: Wie verhalten sich Menschen unter politischem Druck? Welche Rolle spielt das persönliche Gewissen? Und wie gehen wir heute mit solchen Fragen um – in einer Zeit, in der wir frei sind, sie zu stellen? Diese Ausstellung lädt Sie ein, genau das zu tun: sich einzulassen, zu hinterfragen und aus heutiger Perspektive neu zu betrachten.
Oskar Brüsewitz entzündete sich am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche aus Protest gegen die Kirchenpolitik der DDR. Seine Tat löste damals sowohl innerhalb der DDR als auch international große Aufmerksamkeit aus. Neben der Biografie des Pfarrers werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und unterschiedliche Bewertungen seines Handelns beleuchtet. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich mit Fragen von Gewissen, Verantwortung und Erinnerung auseinanderzusetzen. Ergänzt wird die Ausstellung durch interaktive Angebote. Die Ausstellung, die bis zum 20. September 2026 gezeigt wird, richtet sich an ein breites Publikum und bietet zudem spezielle Angebote für Schulklassen und Gruppen.
Begleitprogramm zur Ausstellung
Themenführung „Kirche, Mut und Moral in der DDR“
Sonntag, 10. Mai 2026, 14 Uhr, Dauer ca. 60 Minuten
Themenführung „Mut und Zivilcourage – Frauen im Widerstand“
Sonntag, 12. Juli 2026, 14 Uhr, Dauer ca. 60 Minuten
Themenführung „1976 – Und heute? Zivilcourage und Gewissen im Spiegel der Geschichte“
Sonntag, 9. August 2026, 14 Uhr, Dauer ca. 60-75 Minuten
Für die Führungen wird um Anmeldung unter Tel. 03441 – 212546 oder per Mail unter moritzburg@stadt-zeitz.de, gebeten.
Quelle: Stadt Zeitz