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Zwei Jahre nach der Ansaat - Wie sich die Wildblumenwiesen an Altmarkt und Kalktor entwickeln

Pressemitteilung der Stadt Zeitz vom 08.06.2026

Im Sommer 2024 wurden in mehreren Schritten auf den beiden Grünflächen am Altmarkt sowie auf der neu gestalteten Fläche am Kalktor langlebige Wildblumenwiesen etabliert, welche mit den Wildpflanzen unschlagbar sind, da diese gut mit den höheren Temperaturen im Stadtinneren zurechtkommen und Triebfeder für eine gesteigerte Biodiversität sind. Durch die Aufwertung dieser Grünflächen wurden einerseits wertvolle Lebensräume für Insekten und andere Tiere geschaffen und die Flächen anderseits durch das „bunte“ Treiben verschönert.

Unterstützt und beraten wird die Stadt Zeitz dabei von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projektes „KompetenzGrün“ der Hochschule Anhalt. Dr. Karina Engst von der Hochschule Anhalt betreut das Zeitzer Projekt von Beginn an und war jetzt erneut zur Kontrolle vor Ort. Hierbei kamen wir mit ihr ins Gespräch.

Frau Dr. Engst, was ist das Projekt „KompetenzGrün“ der Hochschule Anhalt und was beinhaltet es?

KompetenzGrün, das steht für den Aufbau eines Kompetenzzentrums und eines Akteurs-Netzwerkes zur Integration einer Grünen Infrastruktur in den Transformationsprozess der Kohlereviere Sachsen-Anhalts. Ein sperriger Begriff mit positiven Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung und ökologische Aufwertung unserer Region.  Im Projekt werden Flächen entwickelt, die als Demonstratoren für eine klimaresiliente und biodiversitätsfördernde Grüne Infrastruktur fungieren.

Sie zeigen, wie städtische Flächen nachhaltig genutzt und gleichzeitig die Umwelt geschützt werden kann. Wildpflanzen, die an regionale Witterungsbedingungen und -extreme angepasst sind, bieten eine hohe genetische Diversität und ermöglichen somit eine weitere Anpassung an den Klimawandel. Zudem binden sie durch ihre gute Durchwurzelung sehr gut Kohlenstoff im Boden und erhöhen die Versickerungsrate von Niederschlagswasser. Wildpflanzenwiesen bereichern also nicht nur das Stadtbild und ermöglichen den Bürgerinnen und Bürgern ein unmittelbares Naturerlebnis in der Stadt, sondern leisten auch einen aktiven Beitrag zur Klimaregulierung in urbanen Gebieten.

Wann startete das Projekt in Zeitz und was sehen wir jetzt drei Jahre später?

Die ersten Flächenbegehungen erfolgten im November 2023. Ausgangspunkt war die Neugestaltung der Grünflächen vor dem Rathaus. Hier gab es nach Aussagen von Herrn Suk häufig Unmutsbekundungen aus der Bevölkerung, dass die beiden Grünflächen nicht mehr attraktiv seien. Daraufhin wurde die Anlage einer Blühfläche unter der Anwendung von regionalen Wildpflanzen geplant. Ab Sommer 2024 wurden die beiden Teilflächen dreimal mit einer Bodenfräse bearbeitet, um das Saatbett für die Ansaat herzustellen. Danach erfolgte die Ansaat der eigens zusammengestellten Saatgutmischung.

Die Wildpflanzenwiesen vor dem Rathaus entwickeln sich planmäßig – was gerade zu sehen ist und was noch kommt.

Aktuell zeigen sich Margeriten, Witwenblumen und Kleiner Wiesenknopf, in den kommenden Wochen werden weitere Arten folgen. Dazu gehören Kartäusernelke, Wiesenflockenblume, Gelbe Skabiose, Rauer Löwenzahn, Weiße und Rote Lichtnelke oder Glockenblumen. Weitere Arten sind mit vielen kleinen Rosetten vertreten, die in den kommenden Jahren zur Blüte gelangen werden. Wildpflanzenwiesen entwickeln sich in ihrem eigenen Tempo: Die ausgesäten Mischungen bestehen überwiegend aus mehrjährigen Pflanzen, die oft im ersten Jahr zunächst Rosetten bilden – bodennahe Blattrosetten, aus denen im zweiten oder auch erst im dritten Jahr die Blüten wachsen. Das gehört zum Lebenszyklus von Wildpflanzen dazu.

„Wir haben auf Pflanzen gesetzt, die langfristig stabil sind und das Bild der Fläche dauerhaft prägen werden. Wer jetzt schaut, sieht den Anfang, in den nächsten Jahren wird das Blütenbild deutlich reicher", erklärt Dr. Karina Engst vom Projekt KompetenzGrün an der Hochschule Anhalt. „Die Zielarten entwickeln sich planmäßig“.

Es gibt Kritik, denn für viele ist nicht erkennbar, was man mit dem Projekt erreichen will?

Auch wir haben den doch recht hohen Anteil an Löwenzahn auf den Flächen registriert. Und mit Sicherheit nimmt jeder Schönheit und Attraktivität anders war. Fakt ist, dass sehr viele kleine gewünschte Wildpflanzen aufgelaufen sind und sozusagen in den Startlöchern stehen. Sie benötigen nur ein bisschen mehr Zeit zum Wachsen. Es waren bereits vor der Bodenstörung viele Pflanzen des Löwenzahn auf der Fläche vertreten. Unter Umständen sind diese jedoch nicht zum Blühen gelangt, da, bevor das Projekt „KompetenzGrün“ seine Arbeit aufnahm, die Flächen bereits sehr zeitig im Frühjahr und dann sehr regelmäßig gemäht wurden.

Es wurde mit Bedacht der Einsatz heimischer Wildpflanzen mittels einer Ansaat gewählt. Wichtig ist hierbei nochmal zu erwähnen, dass bei einer Einsaat nicht mit Sicherheit jeder Standort für jede Pflanze oder Staude vorhergesagt werden kann. Bei einer Wechselbepflanzung ist dies möglich. Jedoch benötigt eine solche Wechselbepflanzung deutlich mehr Betreuung während der Vegetationsperiode, insbesondere Jäten und Gießen. Und ein großer Nachteil besteht darin, dass eine Wechselbepflanzung jedes Jahr neu angelegt werden muss. Wildpflanzenwiesen, wenn sie einen stabilen Bestand gebildet haben, tragen sich selbst. Ein Vorteil, der sich erst über die Jahre zeigt: Wildpflanzenwiesen kommen auch mit dem Klimawandel besser zurecht als konventionell gepflegte Rasenflächen oder Wechselbepflanzungen. Die Mischung aus heimischen Wildkräutern und Stauden puffert Starkregen und Trockenperioden besser ab, der Pflegeaufwand sinkt langfristig.

Was machen Sie jetzt in Zeitz?

Ich bin heute in Zeitz, um die Erfolgskontrolle der Maßnahme durchzuführen. Das heißt, ich schaue welche Arten aus der Ansaatmischung auf den Flächen vorgefunden werden können und welchen Anteil sie einnehmen. Darüber hinaus überprüfe ich die Entwicklung der sogenannten Begleit- und Störarten. Hierunter zählt u.a. auch der Löwenzahn. Mit den Ergebnissen dieser Erfassungen werden die nächsten Pflegeschritte abgeleitet, z.B. Wann muss die Fläche gemäht werden? Die Flächen werden zweimal im Jahr im Auftrag der Stadt Zeitz gemäht. Dieser Rhythmus gibt den Zielarten den Raum, den sie brauchen, und verhindert, dass sich unerwünschte Arten dauerhaft weiter ansiedeln. Die Hochschule Anhalt begleitet die Pflege auch weiterhin.

… und das Ergebnis?

Auf der Fläche wurden 50 Arten angesät (48 Kräuter, 2 Gräser). Von diesen wurden auf einer Fläche von 4 x 4 Metern 35 Arten nachgewiesen. Auf der größeren Untersuchungsfläche von 60 m² konnten 37 Arten der Ansaatliste nachgewiesen werden, wozu unter anderem Färber-Hundskamille, Gewöhnlicher Wundklee, Wiesen-Margerite, Kartäuser-Nelke, Moschus-Malve, Wiesen-Salbei, Kleiner Wiesenknopf und Arznei-Thymian gehören. Auf beiden Teilflächen konnten wir letztendlich 70 Arten nachweisen, was großartig ist und zeigt, dass sich die Blühwiesen hervorragend entwickeln.

Aktuell haben bereits Löwenzahn, Spitzwegerich und Hopfen-Luzerne geblüht. Insbesondere Spitzwegerich und Hopfen-Luzerne stehen kurz vor dem Aussamen. Diese beiden Arten sollten sich jedoch nicht weiter auf der Fläche vermehren, da sie bereits sehr dominant vorkommen. Daher wurde empfohlen, die Fläche zeitnah zu mähen. Somit werden die noch unreifen Samen entnommen. Die Mahd schadet den „erwünschten“ Arten, wie Margerite, Kartäuser-Nelke oder Wiesen-Flockenblume aber nicht. Die Wiesenblumen sind mehrjährig und haben starke Rosetten gebildet, aus denen nach der Mahd neue Blühtriebe austreiben können. Wenn das Wetter so regenreich bleibt, ist eine zweite Blüte nicht ausgeschlossen. Das Bild der Blühflächen vor dem Rathaus verändert sich somit jeden Monat.

Ist das Projekt damit abgeschlossen?

Die Anlage einer Blühfläche oder Wildpflanzenwiese benötigt verhältnismäßig viel Zeit. Die Flächen sind angesät und müssen sich nun entwickeln.

Wird die Wiese jetzt im Rahmen der Umsetzung des Projektes weiter betreut und wenn ja von wem?

Wir vom Projekt „KompetenzGrün“ werden die Flächen weiterhin betreuen und regelmäßig Erfolgskontrollen durchführen. Nur durch die regelmäßige Begutachtung können sowohl positive als auch negative Entwicklungen erfasst und bewertet werden.

Gibt es noch weitere Projekt in Zeitz und wenn ja welche, wo und wie ist hier der Stand?

Wir haben ausgehend vom Projekt „KompetenzGrün“ eine weitere Fläche in Zeitz bearbeitet. Auf dem Michaelisfriedhof entsteht eine weitere Blühfläche. Diese entwickelt sich ebenfalls planmäßig. Hier wurde auf eine Kombination aus Ansaat und Pflanzung von vorgezogenen Stauden gesetzt.

Autor: Lars Werner, Pressesprecher, 08.06.2026 
Quelle: Stadt Zeitz