Zukunft mitgestalten - Projektideen zum Thema »Materielle und immaterielle Reststoffe« im Reallabor Zeitz gemeinsam umsetzen
Im Rahmen des Projekts Reallabor ZEKIWA Zeitz hat die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in diesem Jahr zwei Nachhaltigkeitsstipendien vergeben. Die Stipendien ermöglichen Studierenden und Absolventinnen bzw. Absolventen der BURG, drei Monate in Zeitz zu leben, zu arbeiten und ihre Projektideen gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung umzusetzen.
Themenschwerpunkt der Ausschreibung ist „Materielle und immaterielle Reststoffe“. Aus 24 Bewerbungen wählte die Jury mit Priska Engelhardt (Keramik) und Daniel Sauter (Industriedesign) zwei Studierende aus. Von August bis Oktober realisieren beide ihre Vorhaben in Zeitz und laden Bürgerinnen, Bürger, Unternehmen sowie Handwerksbetriebe ausdrücklich zur Mitwirkung ein.
Kunststudentin Priska Engelhardt erhält das Stipendium für ihr Projekt „OUT OF SPEC“ (außerhalb der Spezifikation). Im Fokus steht die Wiederverwertung aussortierter keramischer Baustoffe. Priska Engelhardt setzt sich kritisch mit normierten Qualitätsvorstellungen in der industriellen Fertigung auseinander – konkret mit Fliesen, die wegen kleinster Makel aussortiert werden, obwohl sie vollständig funktionsfähig sind. Diese sowie gebrauchte Fliesen möchte sie in Zeitz und der Umgebung sammeln und zu künstlerischen Mosaiken im Innen- und Außenraum weiterentwickeln – idealerweise für das Treppenhaus des ehemaligen ZEKIWA-Verwaltungsgebäudes. Das Projekt lebt von Beteiligung: Offene Werkstattformate laden Bürgerinnen und Bürger ein, sich aktiv in die Entwicklung und Umsetzung einzubringen. So entsteht Raum für Wissensaustausch, lokale Erinnerungen und neue Perspektiven auf Wert, Gebrauch und Ästhetik sogenannter Reststoffe.
Daniel Sauter erhält das Stipendium für sein Projekt „RE-GROWING ZEITZ – HANDWERK GESTALTEN“, das einen gestalterisch-experimentellen Ansatz verfolgt. Er, selbst Tischler und Industriedesigner, möchte untersuchen, wie industrielle Nebenströme der Region – etwa aus der Zuckerrübenverarbeitung – für neue, nachhaltige Herstellungsverfahren genutzt werden können. Geplant ist die Entwicklung prototypischer Objekte, die auf gesteuerten Wachstums- und Quellprozessen basieren. Dabei fragt er, wie biotechnologische Verfahren handwerkliche Produktionsweisen verändern könnten: Wie sieht eine Werkbank aus, wenn Materialien nicht mehr gesägt und geleimt werden, sondern gezielt quellen und wachsen? In Zeitz plant er Workshops mit lokalen Handwerkerinnen und Handwerkern sowie Jugendlichen, um gemeinsam an der „neuen“ Werkbank über Materialien der Zukunft und das Handwerk von morgen ins Gespräch zu kommen.
Beide Projekte arbeiten mit industriellen Reststoffen und nachhaltigen Materialpraktiken und setzen auf die aktive Mitwirkung der Menschen in Zeitz. Während Priska Engelhardt sich auf die Umdeutung industrieller Ausschussware konzentriert, entwickelt Sauter Ansätze für eine neuen, biobasierte Produktionskultur. So sollen aus Reststoffen neue Möglichkeiten und aus Begegnungen neue Impulse für Zeitz entstehen.
Das Reallabor Zeitz (RZZ) lädt alle Interessierten herzlich ein, sich aktiv an den Vorhaben zu beteiligen. So ist Priska Engelhardt für ihr Projekt auf der Suche nach Fliesen aus Zeitz und Umgebung – sowohl industriell aussortierte von Unternehmen als auch übrig gebliebene oder recycelte Fliesen von Privatpersonen. Auch kleine Mengen sind willkommen.
Das Projekt OUT OF SPEC begreift das Ausgesonderte im Baustoffkontext nicht als Fehler, sondern erweitert den Begriff der Verwertbarkeit, indem nicht nach Norm und Makellosigkeit bewertet wird. Ausgemusterte Fliesen werden zum vollwertigen Arbeitsmaterial und sind Ausgangspunkt für Mosaikbilder die in Zeitz gemeinsam mit Interessierten entstehen sollen. Ich freue mich dabei zum einen auf das Areal und natürlich auch auf das was mich erwartet,
so Priska Engelhardt.
Daniel Sauter ist für sein Projekt auf der Suche nach Handwerkerinnen und Handwerkern, Jugendlichen, Auszubildenden sowie Unternehmen aus Zeitz und Umgebung, die an Workshops teilnehmen und Lust haben gemeinsam über Materialien der Zukunft, nachhaltige Verfahrenstechniken und neue Perspektiven für das Handwerk zu diskutieren.
Zeitz ist historisch und aktuell durch die Zuckerindustrie geprägt. Das Reallabor ZEKIWA dient mir als moderne „Bauhütte“. Ich nutze die lokale Identität (Zucker/Industrie), um aufzuzeigen, dass Strukturwandel nicht das Ende der Produktion bedeutet, sondern den Beginn einer bio-basierten Manufaktur,
so Daniel Sauter zum Projekt in Zeitz.
Wer an der geplanten Mosaikwerkstatt von Priska Engelhardt teilnehmen möchte oder beim Projekt von Daniel Sauter mitwirken will, kann sich bereits jetzt bei Projektkoordinatorin Agnes Fischer unter der Mail afischer@burg-halle.de oder telefonisch unter 0345 7751 58141 melden, um bei Interesse weiteres in Erfahrung zu bringen und um über einen Verteiler zu den Terminen informiert zu werden.
Quelle: Stadt Zeitz